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Ersetzt GPS die Karte, Kompass und Höhenmesser?

 

Mit GPS gibt es jetzt so etwas wie den lange ersehnten „Kompass, der zeigt, wo das Auto steht“. Denn ich kann damit ohne Karte und Kompass von einem unbekannten Standort aus zu einem gespeicherten Wegpunkt finden. Ein einfacher GPS-Empfänger kostet inzwischen kaum mehr als ein guter Kompass. Braucht man dann überhaupt noch beides? Und muss man noch Kompass-Verfahren lernen und üben, wenn GPS so gut wie keine Vorkenntnisse verlangt?

 

GPS ist genauer, handlicher, vielseitiger und kostengünstiger als alle sonstigen elektronischen Orientierungshilfen und ermittelt den Standort weltweit sekundenschnell, unbeeinflusst durch Missweisung oder magnetische Ablenkung, Kartenmängel, Sichthindernisse, fehlende Peilziele, - mit einer Genauigkeit, von der man noch vor wenigen Jahrzehnten nur träumen konnte.

        Aber: Die US-Luftwaffe hat gerade mitgeteilt, dass sie nicht in der Lage sein wird, ihre ab 2010

        auslaufenden GPS-Satelliten termingerecht zu ersetzen. Das kann bedeuten, dass bis etwa 2013

        nicht genügend Satelliten zur Verfügung stehen, um die bisherige Genauigkeit zu gewährleisten.

        Auch Galileo ist nicht vor 2013 zu erwarten.

 

GPS speichert Wegpunkte und hält sie für den Rückweg bereit , zeigt Entfernung, Richtung, und Geschwindigkeit an, misst die Höhe und kann – je nach Gerätetyp – vieles andere, was kaum noch zur Orientierung gehört.

Bei Geräten ohne gespeicherte Karte muss man die angezeigten Koordinaten deuten und auf die gedruckte Karte übertragen können, auf eine elektronischen Karte wird er angezeigt. Das heißt: ein Gerät mit elektronischer Karte leistet auf Straßen und Wegen etwas, was mit dem Kompass während der Bewegung im Fahrzeug, im Boot, auf Schiffen und im Flugzeug unmöglich ist.

 

Aber der Kompass ist unersetzlich für die beiden häufigsten und wichtigsten Orientierungs-Aufgaben, die abseits von Straßen und Wegen anfallen:

Kurswinkel ermitteln, festhalten und im Gelände danach gehen
• entfernte Punkte (Gipfel, Inseln) identifizieren
.

Um mit GPS nach einem Kartenkurs zu gehen, müsste man für jede Teilstrecke die Koordinaten des nächsten Zwischenziels ermitteln, eingeben, mit GOTO aufrufen und dann mit eingeschaltetem Gerät dem angezeigten Kurspfeil folgen. Freilich könnte man eine Route bereits am heimischen PC erstellen und auf das GPS-Gerät übertragen; aber das erschwert für eine längere Tour und abseits von Wegen die Entscheidungen vor Ort (Begehbarkeit, Wetter, Wasserstand, Schneeverhältnisse, Umgehen).

 

Auch die beste elektronische Karte ist nur ein Notbehelf. Wer sich auch in unerschlossenem Gelände frei bewegen will, braucht und die Rand- und Rahmenangaben der gedruckten Karte (Gradnetz/Gitter, Missweisung/Meridiankonvergenz, Zeichenerklärung), die Übersicht über eine größere Fläche (Tourenplanung, Seitenpeilungen, Abstecher und Umwege), den Unterschied zwischen GPS- und Kartenhöhe.

 

Die Lebensdauer der Batterien beträgt nur Stunden und steht eigentlich immer nur zur Hälfte zur Verfügung, denn wer sich allein auf GPS verlässt, hängt ja auch für den Rückweg davon ab.

 

Die GPS-Höhe wird als Abstand vom Erdmittelpunkt berechnet, berücksichtigt also nicht den örtlich verschiedenen Unterschied zwischen Geoid und Erdellipsoid, der bis 100 m betragen kann. In neueren GPS-Geräten können Höhen-Korrekturdaten gespeichert sein; sie sind jedoch nicht so kartenblattgenau wie die Korrekturangabe in der jeweiligen Karte.
 

Wenn GPS die Höhe unabhängig vom Luftdruck berechnet, kann das Gerät – anders als ein barometrischer Höhenmesser - nicht vor einem Wettersturz warnen.

 

Eine im GPS-Gerät werksseitig gespeicherte Missweisung trifft zwangsläufig nur für ein bestimmtes Jahr zu. Wenn man die aktuellen Werte für die örtliche Missweisung nicht aus den Randangaben der Karte entnehmen kann, muss man sie doch selbst ermitteln, und das geschieht wiederum am einfachsten durch den Vergleich von Kompass- und Kartenwinkel.
 

Aber GPS hat den großen Vorzug, dass es unbeeinflusst durch magnetische Ablenkung (Deviation) arbeitet, die einen Kompass wertlos machen kann. Auch in Fahrzeugen, auf Schiffen und in Flugzeugen, auf Aussichtstürmen aus Stahlbeton und in allen Gegenden mit magnetischem Gestein zeigt es zuverlässig den Standort an,  die Himmelsrichtungen jedoch nur in der Bewegung. Ein im GPS-Gerät integrierter elektronischer Kompass ist gegen magnetische Ablenkung ebenso anfällig wie ein normaler Kompass.

 

Beim Kartieren ist ideal, dass GPS unabhängig von Sichtverhältnissen und Begehbarkeit arbeitet und – gerade in unwegsamem Gelände und auf Steilstrecken – schnellere und  genauere Werte ergibt als die polare Aufnahme. Andererseits eignet sich der Kompass besser für kurze Abstände und das Lageverhältnis eng benachbarter Punkte.

 

Zusammen mit einem PC bietet GPS zusätzliche Möglichkeiten für die Vor- und Nachbereitung einer Tour.

 

  Kompass GPS
Anzeige Richtung Standort (-koordinaten)
    Richtung, Entfernung, Höhe
    Route, Rückweg
    Geschwindigkeit
    Datum, Uhrzeit
    grafischer Zielfinder
Ergänzung top. Karte mit UTM-Gitter top. Karte mit UTM-Gitter
  Höhenmesser elektronische Karte
Einschränkung magnetische Ablenkung  Stromversorgung
  Standort nicht bestimmbar Abschattung
    Schlag/Stoß, Hitze/Kälte, Feuchtigkeit
    GPS-Systemausfall / -einschränkung

 

Die Antwort lautet also:

 

1. GPS ergänzt Karte, Kompass und Höhenmesser hervorragend, aber ersetzt sie nicht. GPS ist bequemer, denn man muss nichts lernen, nicht laufend mitdenken, nicht messen und nicht rechnen, - aber man wird abhängig. (Vergleich: Wer nur noch den Taschenrechner benutzt, verlernt leicht das kleine Einmaleins, das Kopfrechnen und das schriftliche Teilen und Malnehmen.)

 

2. Mit GPS + Kompass/Karte lässt sich in idealer Weise die Forderung erfüllen, die in der Seefahrt allgemein gilt: jede wichtige Entscheidung ist anhand von zwei unabhängigen Verfahren zu treffen.

 

3. Wer Verantwortung für andere trägt, vernachlässigt seine Sorgfaltspflicht, wenn er in wenig erschlossenen Gegenden kein GPS-Gerät mitführt oder nicht sicher damit umgehen kann – und handelt fahrlässig, wenn er sich allein auf GPS verlässt.

 

4. Teure GPS-Geräte bieten mehr Funktionen (viele davon nur für „PC-Wanderer“ von Interesse), aber zeigen nicht genauer an. Die Sicherheit steigert man mit einem einfachen Zweitgerät.

 

5. Jede Elektronik ist störanfällig. Wer sich allein auf GPS stützt, verliert beim Ausfall des Geräts sämtliche Orientierungshilfen auf einen Schlag.
Gut ausgerüstet ist man also mit

• der neuesten gedruckten (amtlichen) top. Karte,

• zwei Geräten mit unbeschränkter Betriebsdauer:
  Spiegelkompass mit Missweisungsausgleich und – jedenfalls in den Bergen und auf dem Wasser –

  Dosen-Höhenmesser,
• und den elektronischen Hilfen GPS und Taschenrechner.
Sie wiegen zusammen rund 400g und passen in die Taschen der Wanderkleidung.

 

6. Auf eine anspruchsvolle Tour sollte man sich nicht mit einem Gerätemodell begeben, das eben erst erschienen ist. Wie die Änderungsprotokolle der Hersteller zeigen, weist insbesondere die Software (Firmware) kurz nach Erscheinen des Geräts meistens noch Fehler auf. Es empfiehlt sich auch, in regelmäßigen Abständen (im Internet) zu prüfen, ob es eine neue Firmware-Version für das eigene Gerät gibt, die ggf. neue Funktionen bietet, aber vor allem Fehler beseitigt.

 

7. Vernünftig (und stromsparend) verhält man sich, wenn man in der Regel mit Karte, Kompass und Höhenmesser arbeitet, nach dem am Kompass eingestellten Kurswinkel geht und GPS nur fallweise – eben als zweites Verfahren und in Notfällen – zum Überprüfen einsetzt.

 

Wolfgang Linke