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ZU  DIESEM  BUCH

Die Schiffs- und die Flugnavigation waren vielfach und eingehend bearbeitet, aber es fehlte ein vergleichbares Lern, Lehr- und Nachschlagebuch für Fuß-, Rad-, Ski-, und Wasserwanderer. Das vorliegende Buch (1. Auflage 1982) will diese Lücke schließen. Es wendet sich an alle, die nicht nur markierten Routen folgen, sich aber auch nicht völlig an GPS ausliefern wollen.

Orientierung ist Mittel zum Zweck. Das Ziel ist Sicherheit und Unabhängigkeit in unbekanntem Gelände, also die Fähigkeit, eine Tour nach der Karte zu planen und sie mit den für Wanderer geeigneten Hilfen und Verfahren auch unter widrigen Bedingungen durchzuführen. Denn hinter den Alltagsfragen der Orientierung "Wo steh ich?", "Was seh ich?", "Wohin geh ich?" tauchen unvermeidlich weitere auf, vor allem bei Kartenmängeln, Gelände- und Sichthindernissen, und bei unbekannter Missweisung. Unabhängig ist aber nur, wer die Werte, von denen Orientierungs-Entscheidungen abhängen, auch noch unterwegs selbst ermitteln kann.

Gearbeitet wird mit denselben vier Hauptarten der Navigation wie in der See- und Luftfahrt, aber mit anderen Schwerpunkten und Hilfsmitteln:
Sichtnavigation (der Normalfall),
Koppelnavigation (Standort aus Kurswinkel und zurückgelegter Strecke),
Himmelsnavigation (hier: Richtung/Missweisung nach Sonne und Sternen),
elektronische Navigation (hier: GPS und LVS-Gerät).

Im Gegensatz zu (später erschienenen) einschlägigen Titeln hört das Buch nicht mit der Kreuzpeilung auf und beschränkt sich nicht auf Mitteleuropa, sondern bietet Lösungen auch für die Verhältnisse jenseits des Polarkreises, auf der Südhalbkugel und zwischen den Wendekreisen. Statt des unverantwortlichen Rats „Die Missweisung kann man vernachlässigen“ zeigt es ein Dutzend Wege, die Missweisung selbst zu ermitteln und zu berücksichtigen. Dafür verzichtet es darauf, Kartenzeichen aufzulisten (sie unterscheiden sich von Land zu Land und sind auf jeder top. Karte zusammengestellt), Kartennetzentwürfe zu beschreiben (sie werden in jedem Schulatlas erklärt) und Bedienungsanleitungen zu wiederholen.

Wo sich Orientierungsaufgaben auf mehrere Arten lösen lassen, sind alle für Wanderer brauchbaren Wege beschrieben. Sie taugen in den Bergen wie im Urwald, in der Wüste wie - bei gelegentlicher Landsicht - auf dem Wasser, also auf Flüssen und Binnenseen und in Küstennähe. Abbildungen, Beispiele und Vordrucke erleichtern die Rechnungen.

GPS ist als Ergänzung zum Kompass behandelt, nach dem Grundsatz, sich nie allein auf elektronische Hilfsmittel zu stützen. Berücksichtigt ist ferner, dass sich die skandinavischen Kompassmodelle allgemein durchgesetzt haben (2.1.5, die Bézard-Bussole wird seit 1996 nicht mehr hergestellt), dass das UTM-Gitter/WGS 84 mit eingedruckten Gitterlinien weltweit eingeführt ist (5.1, 5.4; Ausnahme: Schweiz) und dass Mitteleuropa inzwischen im Bereich wachsender östlicher Missweisung liegt (6-03).

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Der Inhalt beruht auf jahrzehntelangem praktischen und theoretischen Umgang mit den einschlägigen Orientierungshilfen, auf Fuß-, Ski- und Faltbootwanderungen in Mitteleuropa, Skandinavien, Kanada/USA und Südamerika, auf Erfahrungen im Lehrteam des Internationalen Wildnisführer-Verbands und eigenen Orientierungs- und Kartierungskursen.